Allachs verschenkte Chance

Ein leichter Hauch von Tristesse umweht mich, als ich auf der Suche nach ganz bestimmten Kartoffelchips nach Monaten mal wieder das Ever.s betrete.

Ca. 13 von 31 Läden stehen leer, der Foodcort mit seiner sehr beschränkten Auswahl lädt nicht gerade zum Verweilen ein und die Kundenfrequenz, jetzt im Vorweihnachtsgeschäft, ist verglichen mit anderen Einkaufszentren beliebiger Größe, in und um München, geradezu lächerlich. Sommers wie winters ist eher der Platz vor der Mall noch ein Magnet für Kinder und Neu-Allacher.

Ich frage mich, warum das so ist, da die Leute in meiner Nachbarschaft genau wie ich, ursprünglich von der Idee einer kleinen Einkaufsmeile in der Nachbarschaft angetan waren. Auch der Edeka darin wurde fast sehnlich erwartet, da er in Größe und Auswahl dem Rewe, ein paar hundert Meter weiter nördlich, weit überlegen ist.

Jetzt ist an vielen Tagen der Rewe überlaufen und teilweise ausverkauft, während sich im Edeka gefühlt Kunden und Mitarbeiter die Waage halten.

Woran liegt es?

Die große Enttäuschung kam schon bei der Eröffnung:
Das Angebot an Geschäften entsprach durchweg nicht dem, was man sich im Viertel erwartet und erhofft hätte: Zwei Nagelstudios, sind im Evers, von denen in unmittelbarer Umgebung bereits genug vorhanden waren, Kleidungsgeschäfte mit billigsten Klamotten, während die umliegende Wohnbevölkerung eher zu einer finanziell gehobeneren Klientel zählt und auch noch ein kleiner Möbelladen mit sehr speziellen Stücken. An den Rest der Mieter der mittlerweile leerstehenden Verkaufsräume kann ich mich nicht mehr erinnern.

Diese Liste der Fehlvermietungen, wie ich sie vor gut drei Jahren empfunden habe, könnte man fast beliebig verlängern.

Der potenzielle Publikumsmagnet Edeka wurde durch die logistisch unsinnige Planung aus dem Rennen genommen. Kommt man zu Fuß oder auch mit dem Fahrrad, läuft man minutenlag durch das ganze Einkaufszentrum, um zum Supermarkt zu kommen. Das eignet sich nur, wenn man nur wenig kaufen will und viel Zeit mitbringt.

Die meisten Leute, die die Supermärkte in der Georg – Reismüller – Straße besuchen, machen dort ihre Wocheneinkäufe, häufig für die Familie. Sie stammen aus ganz Allach und Untermenzig , teilweise sogar aus Obermenzig, was ein riesiges Einzugsgebiet, in dem kaum andere Einkaufsmöglichkeiten existieren, darstellt. Die Mehrzahl der Kunden und kommt folglich mit dem Auto.

Die Parkplätze bei Aldi, Rewe, DM und Lidl sind daher oft voll.

Da stellt man sich die Frage, warum während dessen die Tiefgarage am Örtelplatz, die man vom Edeka mit dem Einkaufswagen erreichen kann, fast leer bleibt, obwohl man auch dort bei einem Einkauf im Edeka gratis parken kann?

Zum einen hat man es nicht geschafft, dass die potenziellen Kunden von der gratis Parkmöglichkeit Kenntnis haben, zum anderen hat man sich für ein Abrechnungssystem entschieden, dass Kennzeichen erfasst, bei dem man immer erst am Automaten seine Autonummer eingeben muss und bei dem, da ohne Schranke und Ticket, immer das ungute Gefühl etwas falsch gemacht zu haben und dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden, bleibt.

Allein die nur temporäre Speicherung der Kennzeichen sehen viele Autofahrer argwöhnisch.

Es würde mich nicht wundern, wenn auch Edeka und Rossmann nach Ablauf des Mietvertrags die Segel streichen.

Tapfer die Stellung halten wird wohl der etwas gehobenere Italiener, der mit seinem Angebot gut den Allacher Bedarf deckt, obwohl auf der anderen Seite des Örtelplatzes auch ein gut besuchtes italienisches Restaurant ist.

Vermutlich könnte sich auch noch z.B. ein niveauvolles asiatisch / thailändisches Restaurant etablieren.

Wenn nicht bald passende Geschäfte in ausreichender Zahl im inneren des EKZs angesiedelt werden können, ist der belebte Platz davor, vor allem im Sommer, aber gleichermaßen zu den Markttagen das ganze Jahr über, und ganz speziell zum gut besuchten Christkindelmarkt am 4. Adventswochenende wohl der einzige Gewinn für Allach.